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Mittwoch, 30. Mai 2012

Nonstoptratschweib

Das war heute morgen wirklich die bisher schlimmste Labertante, die mir je untergekommen ist.

Ohne groß Luft zu holen hat sie von Köln bis Frankfurt Hbf durchgesabbelt. Und zwar in einer penetrant-nervigen und lauten Stimmlage. Ihr Kollege, beide von einer großen Kaufhauskette, kam nur hin und wieder mal als Stichwortgeber zu Wort.

Am Frankfurter Flughafen (also kurz vor Frankfurt Hbf) steigt dann noch eine weitere Tante ein, ebenfalls von dieser Kaufhauskette und gesellt sich an den Nachbartisch - und beginnt ebenfalls einen Wasserfall abzulassen. Sie hat ein Kind, dass gerade das Seepferdchen gemacht hat, Ameisensäuresalbe brennt wie Stichflammen auf dem Rücken, Labertante 1 hat gestern 30 EUR bei der Apotheke für Rückenschmerz-Zeug ausgegeben, der Mann von Labertante 2 hat erst mit 8 sein Seepferdchen gemacht, die neue Kollektion von der Kaufhauskette wird in den Farben Hässlich-Grün-Magenta und Schwarz-Hässlich-Grün und Grün-Gelb und noch ein paar anderen Geschmacklosigkeiten auf den Markt kommen... etc... pp... *sülz*

Das habe ich alles gehört durch Ohrstöpsel hindurch.

Manchmal kommt man vor lauter kotzen mit dem Essen nicht mehr nach.

Die eigentliche Frage ist: Woher kommen diese ganzen Spacken eigentlich, wieso fahren die alle im Ruhebereich meines ICEs, wieso müssen manche Frauen morgens um 6 schon dermaßen Rededurchfall haben, wieso müssen (vermutete) Firmengeheimnisse quer durch die Bahn gebrüllt werden und wieso sitze ich immer in diesem verdammten Pack fest.

Montag, 16. April 2012

Ruhebereich

Wie ihr vielleicht schon wisst, gibt es zumindest bei den ICEs verschiedene Bereiche im Zug.

Beispielsweise für die Großraumwagen. So ähnlich wie ein Großraumbüro eben - viele Menschen in einer möglichst intelligenten Anordnung so zusammenpferchen, dass maximale Auslastung möglich ist. Im Gegensatz zum Flugzeug haut man sich übrigens als Normalgewachsener nicht ständig die Knie an.

Die Großraumwagen gibt es in zwei Varianten. Einmal die normale Variante. Hier kann man sich ganz normal unterhalten, Familien mit Kindern sind willkommen und nervöse Urlauber sind hier gut aufgehoben. Immerhin weiß jeder, der sich in diesen Wagen begibt, dass er oder sie an Ruhe gar nicht erst zu denken braucht. Die superwichtigen Business-Typen, Sales-Bitches und andere Machermenschen mit Telefonflat am Ohr und fehlender Kinderstube sind hier ebenfalls sehr willkommen.


Und dann gibt es die Zen-Zone. Den Ruhebereich. Also der Wagen, der für die Menschen gedacht ist, die die sanfte Fahrt im Tiefschlaf verbringen wollen. Oder die einfach in Ruhe mal so lesen möchten, dass sie nicht jeden Satz zweimal beginnen müssen (ja es gibt Sätze mit mehr als 160 Zeichen). Gelegentlich sind hier auch ein paar Langsamtipper und Hobbyfotografen unterwegs. Im Großen und Ganzen also eine Gruppe von Menschen, die weder in Partylaune noch ständig im Stress sind. Die Normalen halt.

Die Ruhebereiche sind auch deutlich gekennzeichnet: Ein durchgestrichenes Mobiltelefon und ein Finger vor dem Mund mit "Psst" daneben. Man möchte also sagen, dass der Durchschnittsbegabte - also der, der auch den richtigen Wagen am Bahnhof finden kann - diese Zeichen verstehen müsste: Telefon lautlos und Gespräche mit mehr oder weniger gesittetem Tonfall.

Leider greift in letzter Zeit aber eine große Seuche um sich. Nämlich die Seuche der Abwanderung von "Normalbereich" in "Zen-Bereich". Scheinbar haben alle Schwätzer dieser Welt genau ein Ziel: Den Ruhewagen. Selbstverständlich mit Handy, auf Lärm optimierte Laptop-Tastaturen und selbstgefälligem Gelaber oder Gockelverhalten gegenüber jungen Assistentinnen.

Ok, jeder macht Fehler. Jeder übersieht mal etwas. Deshalb können die Krachmacher ja auch freundlich auf ihren Fehler hingewiesen werden. In einer normalen Welt würde der Krachmacher sich umgehend entschuldigen, sein Tun einstellen und in Zukunft etwas rücksichtsvoller sein. In der deutschen Welt aber läuft das anders: Der Hinweisgeber wird zusammengeschissen, ignoriert oder als Witzfigur dargestellt. Das Wort "Entschuldigung" ist im Sprachgebrauch der meisten Menschen - gerade der Business-"Elite" - schlichtweg gestrichen worden. Es ist eben genau das passiert, was mit der Höflichkeit, Rücksichtnahme und Sozialverhalten ebenfalls schon passiert ist.

Und das sind dann auch gleich die Menschen, die sich bei einer angekündigten Verspätung von 3min in die Hose machen und allesamt deshalb angeblich einen superwichtigen Geschäftstermin verpassen würden. Von Zeitplanung und Pufferzeiten haben diese Jungs und Mädels noch nie was gehört.

Übrigens wurden die 3min dann während der Fahrt wieder aufgeholt. Aber statt dem zuvor belästigten Zugbegleitern jetzt auch mal die passende Entschuldigung für das Fehlerverhalten zukommen zu lassen, wird einfach fleißig weitergemeckert.