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Freitag, 14. Dezember 2012

Fazit nach 8 Monaten Langstreckenpendeln

Es ist ja nun schon einige Monate her, seit ich das letzte Posting hier veröffentlicht haben. Das hat einen simplen Grund: Ich wollte nicht nur meckern sondern über die positiven Dinge beim Bahnfahren berichten. Denn ich bin damit angetreten objektiv zu sein.



Nach nunmehr 8 Monaten kann ich eigentlich nur festhalten, dass das Bahnfahren nur unter optimalen Bedingungen wirklich eine Freude ist:
  • pünktliche bzw. zuverlässige Züge
  • angenehme Mitreisende
  • funktionierende Technik
Die Bahn selbst hat zwei dieser Anforderungen eigentlich in der eigenen Hand. Eigentlich. Aber es gibt Situationen, da frage ich mich, was los ist:
  • Es sollte doch eigentlich lösbar sein, dass ein Ersatzzug für einen stets vollen ICE von Frankfurt nach Köln bereitgestellt wird, wenn der eigentlich geplante Zug wegen einer Oberleitungsstörung in München hängt. Oder wenn in umgekehrter Richtung schon beim Losfahren in Essen eine massive Störung entdeckt wird.
  • Wie kann es sein, dass Triebwagen mit schöner Regelmäßigkeit Störungen entwickeln - wird hier die Wartung wirklich ernst genommen?
  • Eine Klimaanlage ist in den dicht verschlossenen modernen ICEs überlebenswichtig. Man fragt sich, wieso diese Dinger eigentlich immer genau dann ausfallen, wenn sie mal gebraucht werden: Kühlung im Sommer, Wärme im Winter. Ich habe dieses Jahr literweise kostenloses Bahnwasser getrunken, weil meine Schweißdrüsen auf Notprogramm geschaltet haben und mehr mit Winterjacke eingepackt im Zug verbracht als auf dem Bahnsteig.
  • Verspätungen von 10 Minuten gelten im Bahnbetrieb offensichtlich als Normalität und man könnte sich daran gewöhnen, wenn nicht die Anschlussverbindung genau 7 Minuten nach geplanten Ankunft von drei Gleisen weiter vorne losfährt. Selten so viel Zeit sinnlos verbraten wie beim Warten auf den nächsten Anschlusszug oder so viele Beinahezusammenbrüche gehabt, weil ich Sprints in voller Bepackung nicht trainiert hatte.
  • Fast jeder zweite Sitz ist kaputt. Entweder stellt die Lehne nicht fest oder nur in den Stellungen "kerzengrade"/"Schlafwagen". Die Tischhalterung sind gerne mal so ausgeleiert, dass man sich den Tisch aufs Knie haut, wenn man damit nicht rechnet. Auch daran erkennt man regelmäßige Bahnfahrer: An der Art wie der Tisch heruntergeklappt wird oder der Sitz verstellt wird.
  • Defekte Türen, Toiletten, Bistros, Lautsprecher = nichts Besonderes, man rechnet irgendwann einfach damit.
  • Wieso muss man sich praktisch täglich bei mir entschuldigen, dass wieder irgendetwas nicht so läuft, wie man es erwartet, bezahlt und verdient hätte? Macht es einfach richtig.
  • Kann das Zugbegleiterpersonal nicht endlich mal dafür sorgen, dass im Ruhebereich die Regeln eingehalten werden? Wieso fliegen Mobiltelefonierer bzw. deren Telefone nicht einfach aus dem Zug (bei Jugendlichen macht die Bahn das doch gerne mal...) oder bekommen nette Hinweise?
Natürlich kann zu all dieser Kritik immer eine Ausrede gefunden werden, wird auch. Mal sind es eben die anderen Mitreisenden, die Schäden verursachen, mal sind es irgendwelche Naturereignisse, die man nicht vorhergesehen hat, ein weiteres Mal waren Vandalen am Werk, dann ist wieder der Kostendruck ein Problem und so weiter und so weiter.

Für die Mitreisenden kann die Bahn natürlich nicht wirklich etwas, aber auch hier habe ich Dinge erlebt, die mich schwer daran Zweifeln lassen, ob wir nicht doch kurz vor der Apokalypse stehen:
  • Ein Mitfahrer wird von einer kurzhaarig frisierten mittelalten "Dame" angeblafft, weil er die Reste seines Burgers im Zug essen möchte und wird genötigt den Burger zu entsorgen.
  • Ältere Mitfahrer werden laut zusammengeschissen, wenn sie irgendetwas nicht verstehen oder dem Stress nicht ganz gewachsen sind.
  • Mütter mit unerzogenen und lauten Kindern setzen sich mit Vorliebe in den Ruhebereich statt in die speziell für Familien ausgerüsteten Bereiche (die Zauberworte heißen hier: Rechtzeitig und reservieren) oder wenigstens in die Nicht-Ruhebereiche.
  • Leicht schnarchender Mitreisender wird kurz vor deren Aussteigen von seiner Sitznachbarin übelst angefahren. Auch Hinweise auf "ich mache das nicht absichtlich" oder "Sie hätten mich ruhig wecken können" verhallen nutzlos.
  • Nettigkeit und Zwischenmenschlichkeit ist für viele Gelegenheitsfahrer ein echtes Problem. Praktisch kein regelmäßiger Pendler - man kennt sich - fällt hier auf.
  • Ein selbstherrlicher möchtegern-Alpha unterhält den halben Wagen damit, dass sein Scheff seinen genialen Report verrissen hat, weil er, der möchtegern-Alpha, zu viele Fachbegriffe verwendet hat und der Scheff ja offensichtlich etwas ungebildet ist.
  • Dauertelefonierer belästigen Gott und die Welt mit Weisheiten wie "ich sitze dann jetzt im Zug... ja... bis gleich... wollte nur noch mal Bescheid sagen", "ach... du etwa auch?? ne der ist doch nichts für dich...", "war ein langer Tag, ich bin total erschöpft und ruhe mich jetzt hier aus... ja aber das muss ich dir noch schnell erzählen".
  • Jugendliche Spacken, die laut herumbrüllend ihre Meinung über mitfahrende gleichaltrige Mädels abliefern. Und Mädels, die das genau so tun.
  • Erschreckenderweise habe ich empirisch nachweisen können, dass etwa 80% der musikhörenden Bevölkerung taub ist. In mehrfacher Hinsicht übrigens: Einmal scheint eine normale Lautstärke nicht mehr im Endohr anzukommen und was dann dort ankommt kann man schwerlich als Musik bezeichnen.

Klar ist, dass es auch nette Menschen gibt und störungsfreie Fahrten. Aber ich habe nach nur 8 Monaten dermaßen die Faxen dicke, die Nerven blank, die Schnauze voll, dass ich mich allen ernstes darauf freue im neuen Jahr wieder im Stau stehen zu dürfen. Innerhalb von 8 Monaten vom Fan zum Hasser. Liebe Bahn... so wird das nichts.

Ab nächstem Jahr heißt es für mich:
  • keine Quatschtanten
  • keine rempelnden Mitreisenden
  • keine ständigen Ausfällen von irgendwas (ich warte im vermuteten Gegensatz zu manchem Großbetrieb meine Fahrzeuge)
  • funktionierende Heizungen sowohl in der Luft als auch im Sitz
  • meine individuelle Geräuschkulisse ("Radio") ohne Kopfhörer
  • keine akustischen, olfaktorischen oder sonstigen Belästigungen
  • und ich bin absolut sicher, dass ich keine Anschlüsse mehr verpasse.
Ach ja. Noch dazu spare ich gut 50% der Zeit. Das sind mir etwa 100 EUR im Monat locker wert, die ich drauf zahlen werde.

P.S. Kleiner Hinweis: Wenn man viel Zeit hat und zu Zeiten fahren kann, wo die Züge nicht so verstopft sind, ist Bahnfahren übrigens für mich immer noch ein Vergnügen.

Donnerstag, 9. August 2012

Na ok dann nicht

Da sich in letzter Zeit die Verspätungen und Ausfälle auf meiner Pendelstrecke gehäuft haben, wollte ich eigentlich erst wieder schreiben, wenn es wenigstens einen Tag ohne derartige Probleme gibt.

Leider ist das jetzt seit mehreren Wochen nicht mehr der Fall, so langsam könnte der Eindruck entstehen, ich würde dieses Blog hier aufgeben.


Aber ich muss jetzt mal wirklich Druck ablassen. Was sich die Bahn die letzten Wochen erlaubt, geht wirklich auf keine Kuhhaut mehr:

  • Keinen einzigen Tag beide Fahrten pünktlich. Immer mindestens 10 Minuten - das ist genug, dass ich meinen Anschluss auf der Heimfahrt nicht bekomme und sich die Pendelzeit von 2,5 auf 3 Stunden erhöht.
  • Jeden dritten Tag kaputte Klimaanlage, teilweise bei sehr schwülem und drückendem Wetter. Unfassbar, wie anfällig die Geräte sind. Wieso werden nicht endlich die Wartungsverträge gekündigt und neue Geräte angeschafft?
  • Regelmäßige "Störungen im Betriebsablauf". Jeder Kunde übersetzt sich das, wie er es gebrauchen kann. Durch empirische Studien (Smalltalk) habe ich herausgefunden, dass das wohl für "Unfähigkeit der beteiligten Mitarbeiter zu pünktlichem Verhalten" stehen muss. Ich bin unsicher, in jedem Fall tritt es zu oft auf.
  • Selbstmörder gibt es auch im Sommer und immer noch werden Bahnstrecken bevorzugt. Ich bin dafür, dass man einen Ratgeber herausgibt, wie man sich per Kohlenmonoxid-Vergiftung umbringt. Mal abgesehen davon könnte die Bahn diese Hochgeschwindigkeitsstrecken durchaus mal mit einem vernünftigen Zaun absichern.
  • Zugausfälle (ich kenne jetzt nicht nur Köln/Deutz sondern auch Köln Hbf - hab aber auch nichts verpasst, sieht aus wie fast jeder Bahnhof, dreckig/laut/stinkend) ohne Ende. Sehr lustig vor etwa 2 Wochen, als mein Zug so 80 Minuten Verspätung haben sollte, die Auskunft eines Bahnmitarbeiters: "Fahren Sie lieber mit dem Zug XYZ" - "Der kommt doch fast gleichzeitig mit dem an, auf den ich eigentlich warte" - " Wenn Ihrer überhaupt noch kommt" - äh...?).
  • Eine Mitfahrerin meinte letztens, dass Lokführer der Bahn in der Regel mit dem Auto zur Arbeit kommen, weil sie das Risiko einer Verspätung nicht eingehen wollen. Das hat was, oder?
  • Der vielbeworbene Wifi-Hotspot im ICE funktioniert jede zweite Fahrt nicht, glücklicherweise hält der Akku meines Handies lange genug und der zwischenzeitlich aufgestockte T-Online-Vertrag gibt auch genug Volumen her - verdammt noch mal, es gibt Menschen, die im Zug arbeiten wollen und nicht allen reicht dazu Powerpoint und Fantasie. Ach ja und wenn Wifi mal geht stört es sich ebenfalls an den Tunnels (schon mal von Repeatern oder anderen Maßnahmen gehört? Wir leben im 21. Jahrhundert und schicken Sonden zum Mars - das kann doch wohl nicht wahr sein?!).
  • Ein anderer Mitfahrer meinte letztens, dass es unglaublich sei, wie anfällig die Bahn bei kleinen Störungen von außen ist: "Ein Unternehmen, dass seit 150 Jahren auf dem Markt ist, müsste es doch eigentlich mittlerweile begriffen haben, wie man mit Krisensituationen umgeht." (ich weiß nicht, ob er mit den 150 Jahren Recht hat). Das Krisenmanagement der Bahn ist unter aller Sau: Es gibt haufenweise Krisenmanager (mir sind schon ein paar im Zug selbst als Mitfahrer begegnet) aber offensichtlich denkt niemand daran, dass hinterher ein "lessons learnt"-Workshop stattfinden sollte, um zukünftig dieselben Probleme möglichst auszuschließen.

Wie dem auch sei. Es gibt bestimmt bald wieder was Schönes zu erzählen.


Ein P.S. sei mir erlaubt: Wieso darf ich eigentlich gut 4.000 EUR im Jahr für meine Bahncard zahlen und muss mich dann selbst darum kümmern, dass die Comfort-Sitzplätze auch wirklich nur von Comfort-Kunden bezogen werden? Wieso müsste ich hier ständig die Großfamilie oder die Spielzeugsoldaten wegscheuchen? Kann das nicht einer der Kontrollbeauftragten machen? Es ist ja auch Zeit jeden Fahrgast bei jeder Fahrt bei jedem Wetter bei jedem Klimaanlagestatus mit der (im Grunde berechtigten) Kontrolle seiner Fahrberechtigung zu behelligen? Dabei könnte man doch direkt mal die stehenden Comfort-Kunden einsortieren.

Freitag, 25. Mai 2012

Man wird dreister

Jeder Bahnfahrer, der größere Bahnhöfe nutzen muss, kennt die regelmäßigen Schnorrer-Attacken.

Meistens geben sich die Jungs (und wenigen Mädels) ja ein bisschen Mühe und versuchen bedürftig zu wirken. Manche werden sogar kreativ und besorgen sich Rollatoren... wie der in Düsseldorf, der jeden morgen gut zu Fuß ist und an einem Tag plötzlich einen Rollator dabei hatte und den Tag drauf wieder nicht.

Heute morgen aber hat der junge Herr Schnorrer irgendwie was falsch verstanden. Steckt sich ne Kippe an und latscht dann quer über den Bahnsteig. Mal abgesehen davon, dass es - verdammt noch eins - extra sehr zentral liegende Raucherbereiche gibt, hustet er mir den Mist ins Gesicht, weil er mich ja noch unbedingt anquatschen muss.

Ob ich ein paar Cent für Essen für ihn hätte.

Ich glotz blöd auf die Kippe, denk mir "ja klar dafür hasse Geld aber hast angeblich Hunger" und geb meinen Standardspruch "Nein" an.

Ach kommt eih. Das könnt ihr besser. Wenn ihr schon jeden belästigen müsst, der eigentlich nur auf seinen Zug wartet, dann wenigstens ein bisschen kreativer. Dreist ist nicht immer besser -.-

Und noch eine Bitte. Gebt diesen Leute kein Geld. Das sind fast immer Drogenabhängige, die dringend richtige Hilfe brauchen (die ja auch angeboten wird). Aber mit Geld unterstützt ihr nur die Verbrecher in Kolumbien. Und selbst wenn es keine Junkies sind können die sich auch von Amts wegen helfen lassen (ja das ist da sicher kein Vergnügen, ist aber immer noch besser als nichts).

Donnerstag, 24. Mai 2012

Rücksicht - was ist das?

Gestern musste ich kurzfristig einen anderen Zug nach Hause nehmen und deshalb auf das Sonderkontingent für bahn.comfort-Kunden zugreifen. Das sind die Sitze im Wagen, die mit "ggf. freigeben" markiert werden - leider nicht ganz eindeutig, dieser Schriftzug wird auch gesetzt, wenn die Reservierungen verbummelt wurden.

Na jedenfalls.

Auf meinem Platz saß gestern schon jemand. Eine ältere Frau, sie sprang praktisch sofort auf und entschuldigte sich. Ich erwähnte, dass das mein Platz sei - und in diesem Moment sprach mich eine andere Mitreisende an, dass neben ihr der Platz noch frei wäre. Also habe ich mich dorthin gesetzt. War genau gegenüber der Dame und ihres Partners.
Wir kamen kurz ins Gespräch und so erfuhr ich, dass die beiden eigentlich feste Plätze reserviert (schräg gegenüber von uns) aber von dort aus keine direkten Blick durch ein Fenster hatten. So lange sie niemandem den Platz wegnehmen würden, wollten die beiden halt woanders sitzen.

Also eigentlich keine große Sache.

Eine Station später stiegen die nächsten Gäste zu, darunter wieder jemand, der den anderen Platz neben der Frau reserviert hatte und (zu Recht) darauf bestand, dass er seinen Platz auch nutzen möchte.

Die beiden stehen also wieder auf. Dabei bemerke ich, dass beide schwer Gehprobleme haben und sich kaum richtig halten können. Glücklicherweise sind deren eigentliche Plätze ja direkt schräg gegenüber.

Die Plätze waren zwischenzeitlich natürlich schon besetzt. Also sprach die Frau die beiden dort sitzenden freundlich an und erklärte die Situation.

Die Reaktion: "Aber an der Anzeige steht nichts mehr, jetzt ist ihr Platz halt verfallen".

Und die beiden A-Geigen blieben sitzen. Beides junge Menschen, maximal 25.

Ich war schon drauf und dran meinen Platz zu räumen, weil der Zug wirklich voll war. Aber dann haben die beiden irgendwo am Abteilende wohl noch Plätze gesehen.

Was mich daran so richtig anpisst:

  1. Die beiden jungen Leute hatten keinerlei Recht ihren Platz zu behalten, so etwas wie "verfallen" gibt es nicht, wenn der Platz korrekt reserviert war. Die Reservierung läuft über eine komplette Strecke.
  2. Je jünger desto blöd - trifft leider immer wieder zu. Dieser extreme Egoismus ist in meiner Generation noch unterentwickelt, bei älteren fast unbekannt. Ich erlebe täglich, wie extrem unfreundlich viele junge Menschen zu ihren (älteren) Mitmenschen sind. Das beginnt bei ohrenbetäubendem Lärm aus den Kopfhörern, Füße auf den Sitzen (das macht niemand über 40 - oder??), lautstarkes Herumgeprolle bis hin zu Remplern ohne Entschuldigung, Unfreundlichkeit und Unhöflichkeit.
  3. Es interessierte offensichtlichen niemanden, dass die beiden echt Schwierigkeiten hatten.

Ich hätte mir wirklich gewünscht, ich hätte aufstehen können. Und das nicht, weil ich mich dann gut gefühlt hätte. Sondern weil ich lautstark zur Kenntnis hätte bringen können, dass ich eben für die beiden rücksichtslosen Einspringen möchte.

Hätte genau gar nichts geändert, vermutlich nur Kopfschütteln und Unverständnis. Aber es wäre richtig gewesen.

Es gibt Tage an denen ich mich ernsthaft frage, was aus unserer Gesellschaft mal werden wird. Kann eigentlich nur den Bach runtergehen.

P.S. Ja ich weiß, dass es auch andere junge Menschen gibt.

Freitag, 27. April 2012

Rucksack Ole

Der Rucksack Ole ist ein Mann, der gerade zum Bergsteigen unterwegs ist, Jugendherbergen für Hotels hält, Rückenmuskeln aus Stahl hat oder einfach nur viel Hunger hat und seine Vesperdose halt etwas größer ist.

Warum auch immer Ole den Rucksack in Übergröße mitschleppt. Häufig hat Ole Schwierigkeiten mit dem Stemmen, jedenfalls kriegt er den Rucksack nicht in das Gepäcknetz. Da der Rucksack aber nicht einfach unsichtbar werden kann, muss der natürlich irgendwo hin.

Idealerweise direkt in unmittelbare Umgebung. Auf den Nachbarsitz.

Es gibt auch sehr ausgefallene Methoden, wie der Rucksack verstaunt werden könnte:


Beide Methoden haben aber ab und an mal einen klitzekleinen Nachteil. Wenn die Kiste gerappelt voll ist, würde sich sicher gerne mal ein Fahrgast dahin setzen, wo momentan der Rucksack geparkt wird.

Hei - natürlich geht es völlig ok unangemessen viel Platz zu belegen, wenn man ein zweites Ticket für den Rucksack gelöst hat. Aber ich habe so den unbestätigten Verdacht, dass es sicher ein paar wenige Ausnahmen gibt, die versehentlich kein zweites Ticket gekauft haben... 

Ich bin mal gespannt wann die Bahn die Bahncard für Rucksäcke anbietet.

Donnerstag, 26. April 2012

Berge in der Bahn

Ok - dieses Posting fällt mir ein bisschen schwer.

 
Ich habe zwar einen guten Grund darüber zu schreiben, aber politisch korrekt wird das jetzt ganz sicher nicht. Denn ich hatte heute morgen eine Begegnung der Dritten Art - oder anders ausgedrückt:

Fette sollten Aufschlag zahlen.

So dann baue ich mir mal langsam eine Deckung auf und versuche im Schutz die Gedanken dahinter zu erläutern.

Ich selbst bin zwar nicht gerade schlank. Aber ich würde sagen gerade noch so im akzeptablen Bereich, ich finde noch Kleidung in Normalgrößen. Mein Platzbedarf entspricht in etwa der Norm - der normale ICE-Sessel ist für mich mehr als angemessen.

Heute steige ich aber in den ICE mit meinem reservierten Platz.

Und da saß er. Der Berg.



Ein Monster von einem Mann. Bauch an Tischkante, Knie am Sitz gegenüber, Arme vor der Brust verschränkt. Und zwar so verschränkt, dass die Ellebogen auf der einen Seite die Verkleidung ins Blech drückt und auf der anderen Seite meine Wenigkeit seitlich schräg sitzen muss, damit ich keine blauen Rippen kassiere.

Über eine Stunde lang musste ich in dieser "Sitz"-Haltung ausharren - mir tut nach mehreren Stunden immer noch der Rücken weh.

Sorry Leute - aber so geht das einfach nicht. Die Bahn kann ja schlecht nur XXXL-Bestuhlungen einbauen. Aber ihr könntet im Regelfall etwas weniger Essen. Natürlich dürfte ihr machen was ihr wollt - aber dann steht bitte auch dafür gerade und zahlt den Platz, den ihr real auch benötigt.

Aua, ja, ich verdiene die Schläge ja irgendwie auch, habe ich immerhin Jehova gebrüllt. Aber mal unter uns Gebetsbrüdern: Nervt euch das nicht auch? Denkt ihr wirklich nur "huppala ist der aber kräftig, naja bist bestimmt VOLL NETT so"?

Das geht übrigens nicht persönlich gegen den Herrn von heute morgen. Der war außerordentlich sympathisch, freundlich und ruhig. Ein vermutlich wirklich netter Mensch.

Aber meinen Haltungsschaden muss ich jetzt selbst geradebiegen. Wehe dem, der kurz danach im Flieger neben ihm gesessen hat - ausgestiegen ist er nämlich am Flughafen.

Freitag, 20. April 2012

Bettler-Belästigungen

Damit eines mal klar ist: Ich verstehe, dass unsere Gesellschaft manchen Menschen kaum eine Chance gegeben hat oder dass das Schicksal es mit manchen Menschen nicht gut gemeint hat.

Aber wieso muss sich eigentlich die Elite der Gesellschaft immer auf oder um den Bahnhof herum konzentrieren?

Jeden morgen stehe ich wartend am Gleis und werde von Bettlern angesprochen. Heute nennt man diese Menschen wohl eher Schnorrer oder Bedürftiger - aber die machen genau das, was das Wort Bettler so schon zusammenfasst: Betteln.


Angeblich geht es um ein paar Cent für was zu Essen. Ich verweigere jeden morgen natürlich die Abgabe, weil ich den Verdacht habe, dass es wohl eher um Alkohol, Drogen oder andere wichtige Dinge geht.

Und heute morgen mein Beweis. El Schnorri kam wieder mal vorbei und wollte ein paar Cent, weil er so Hunger hat. Ich wieder "nein" - und der Scheff macht sich genüsslich ne Kippe an. Diese Kippe kostet wohlwollend gerechnet 20-25 Cent und wie wir alle wissen ist Rauchen eine Sucht und bei einer Kippe am Tag wird es wohl nicht bleiben.

Wenn der Herr Geld für Kippen hat aber nicht für nen Brot (ein Brot kostet beim Lidl/Aldi etwa 60-70 Cent!) - dann ist es sein Problem, wenn er hungert.

Nach schlimmer finde ich persönlich Frankfurt. Alter Schwede. Da könnte man glatt ein Bettenhaus aufmachen, die Obdachtlosen haben es sich schon gemütlich gemacht mit Matratzen und Zubehör (damit ist die obligatorische Bettelschale, ne halbleere Pulle Schnapps und meistens der Hund, dem eh schon alles egal ist, gemeint). Man muss sich quasi durchkämpfen durch "Hasse ma nen Euro"- und  "habsenenpaarcentfürmich"-Monotonie.

Ja ich weiß, ich komme dafür in die Hölle, dass ich so über das Schicksal anderer spreche. Aber ich habe das Gefühl, dass, wenn ich den Jungs Geld gebe, dass das sowieso versoffen, verraucht, verheroint oder verkokst wird. Also gebe ich lieber keines - unterm Strich helfe ich damit:

Ist so ähnlich wie das Füttern von Tauben. Es gibt genug Idioten, die das täglich machen und damit die Ratten der Lüfte auch noch fleißig in ihren Untaten (zu bewundern bspw. am Zustand des Kölner Doms oder jeder beliebigen verschissenen Stadtparkbank) bestätigen. Sinnvoller wäre eigentlich die Hilfe über andere Stellen: Sozialarbeiter, Spenden für passende Einrichtungen oder selber tätig werden.

Ich gehöre zu den Menschen, die keine Lust haben ihre Freizeit für andere aufzuwenden. Gott bin ich ein Tätigkeits-Egoist mit überhöhtem Anspruch an seine Umgebung.