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Freitag, 14. Dezember 2012

Fazit nach 8 Monaten Langstreckenpendeln

Es ist ja nun schon einige Monate her, seit ich das letzte Posting hier veröffentlicht haben. Das hat einen simplen Grund: Ich wollte nicht nur meckern sondern über die positiven Dinge beim Bahnfahren berichten. Denn ich bin damit angetreten objektiv zu sein.



Nach nunmehr 8 Monaten kann ich eigentlich nur festhalten, dass das Bahnfahren nur unter optimalen Bedingungen wirklich eine Freude ist:
  • pünktliche bzw. zuverlässige Züge
  • angenehme Mitreisende
  • funktionierende Technik
Die Bahn selbst hat zwei dieser Anforderungen eigentlich in der eigenen Hand. Eigentlich. Aber es gibt Situationen, da frage ich mich, was los ist:
  • Es sollte doch eigentlich lösbar sein, dass ein Ersatzzug für einen stets vollen ICE von Frankfurt nach Köln bereitgestellt wird, wenn der eigentlich geplante Zug wegen einer Oberleitungsstörung in München hängt. Oder wenn in umgekehrter Richtung schon beim Losfahren in Essen eine massive Störung entdeckt wird.
  • Wie kann es sein, dass Triebwagen mit schöner Regelmäßigkeit Störungen entwickeln - wird hier die Wartung wirklich ernst genommen?
  • Eine Klimaanlage ist in den dicht verschlossenen modernen ICEs überlebenswichtig. Man fragt sich, wieso diese Dinger eigentlich immer genau dann ausfallen, wenn sie mal gebraucht werden: Kühlung im Sommer, Wärme im Winter. Ich habe dieses Jahr literweise kostenloses Bahnwasser getrunken, weil meine Schweißdrüsen auf Notprogramm geschaltet haben und mehr mit Winterjacke eingepackt im Zug verbracht als auf dem Bahnsteig.
  • Verspätungen von 10 Minuten gelten im Bahnbetrieb offensichtlich als Normalität und man könnte sich daran gewöhnen, wenn nicht die Anschlussverbindung genau 7 Minuten nach geplanten Ankunft von drei Gleisen weiter vorne losfährt. Selten so viel Zeit sinnlos verbraten wie beim Warten auf den nächsten Anschlusszug oder so viele Beinahezusammenbrüche gehabt, weil ich Sprints in voller Bepackung nicht trainiert hatte.
  • Fast jeder zweite Sitz ist kaputt. Entweder stellt die Lehne nicht fest oder nur in den Stellungen "kerzengrade"/"Schlafwagen". Die Tischhalterung sind gerne mal so ausgeleiert, dass man sich den Tisch aufs Knie haut, wenn man damit nicht rechnet. Auch daran erkennt man regelmäßige Bahnfahrer: An der Art wie der Tisch heruntergeklappt wird oder der Sitz verstellt wird.
  • Defekte Türen, Toiletten, Bistros, Lautsprecher = nichts Besonderes, man rechnet irgendwann einfach damit.
  • Wieso muss man sich praktisch täglich bei mir entschuldigen, dass wieder irgendetwas nicht so läuft, wie man es erwartet, bezahlt und verdient hätte? Macht es einfach richtig.
  • Kann das Zugbegleiterpersonal nicht endlich mal dafür sorgen, dass im Ruhebereich die Regeln eingehalten werden? Wieso fliegen Mobiltelefonierer bzw. deren Telefone nicht einfach aus dem Zug (bei Jugendlichen macht die Bahn das doch gerne mal...) oder bekommen nette Hinweise?
Natürlich kann zu all dieser Kritik immer eine Ausrede gefunden werden, wird auch. Mal sind es eben die anderen Mitreisenden, die Schäden verursachen, mal sind es irgendwelche Naturereignisse, die man nicht vorhergesehen hat, ein weiteres Mal waren Vandalen am Werk, dann ist wieder der Kostendruck ein Problem und so weiter und so weiter.

Für die Mitreisenden kann die Bahn natürlich nicht wirklich etwas, aber auch hier habe ich Dinge erlebt, die mich schwer daran Zweifeln lassen, ob wir nicht doch kurz vor der Apokalypse stehen:
  • Ein Mitfahrer wird von einer kurzhaarig frisierten mittelalten "Dame" angeblafft, weil er die Reste seines Burgers im Zug essen möchte und wird genötigt den Burger zu entsorgen.
  • Ältere Mitfahrer werden laut zusammengeschissen, wenn sie irgendetwas nicht verstehen oder dem Stress nicht ganz gewachsen sind.
  • Mütter mit unerzogenen und lauten Kindern setzen sich mit Vorliebe in den Ruhebereich statt in die speziell für Familien ausgerüsteten Bereiche (die Zauberworte heißen hier: Rechtzeitig und reservieren) oder wenigstens in die Nicht-Ruhebereiche.
  • Leicht schnarchender Mitreisender wird kurz vor deren Aussteigen von seiner Sitznachbarin übelst angefahren. Auch Hinweise auf "ich mache das nicht absichtlich" oder "Sie hätten mich ruhig wecken können" verhallen nutzlos.
  • Nettigkeit und Zwischenmenschlichkeit ist für viele Gelegenheitsfahrer ein echtes Problem. Praktisch kein regelmäßiger Pendler - man kennt sich - fällt hier auf.
  • Ein selbstherrlicher möchtegern-Alpha unterhält den halben Wagen damit, dass sein Scheff seinen genialen Report verrissen hat, weil er, der möchtegern-Alpha, zu viele Fachbegriffe verwendet hat und der Scheff ja offensichtlich etwas ungebildet ist.
  • Dauertelefonierer belästigen Gott und die Welt mit Weisheiten wie "ich sitze dann jetzt im Zug... ja... bis gleich... wollte nur noch mal Bescheid sagen", "ach... du etwa auch?? ne der ist doch nichts für dich...", "war ein langer Tag, ich bin total erschöpft und ruhe mich jetzt hier aus... ja aber das muss ich dir noch schnell erzählen".
  • Jugendliche Spacken, die laut herumbrüllend ihre Meinung über mitfahrende gleichaltrige Mädels abliefern. Und Mädels, die das genau so tun.
  • Erschreckenderweise habe ich empirisch nachweisen können, dass etwa 80% der musikhörenden Bevölkerung taub ist. In mehrfacher Hinsicht übrigens: Einmal scheint eine normale Lautstärke nicht mehr im Endohr anzukommen und was dann dort ankommt kann man schwerlich als Musik bezeichnen.

Klar ist, dass es auch nette Menschen gibt und störungsfreie Fahrten. Aber ich habe nach nur 8 Monaten dermaßen die Faxen dicke, die Nerven blank, die Schnauze voll, dass ich mich allen ernstes darauf freue im neuen Jahr wieder im Stau stehen zu dürfen. Innerhalb von 8 Monaten vom Fan zum Hasser. Liebe Bahn... so wird das nichts.

Ab nächstem Jahr heißt es für mich:
  • keine Quatschtanten
  • keine rempelnden Mitreisenden
  • keine ständigen Ausfällen von irgendwas (ich warte im vermuteten Gegensatz zu manchem Großbetrieb meine Fahrzeuge)
  • funktionierende Heizungen sowohl in der Luft als auch im Sitz
  • meine individuelle Geräuschkulisse ("Radio") ohne Kopfhörer
  • keine akustischen, olfaktorischen oder sonstigen Belästigungen
  • und ich bin absolut sicher, dass ich keine Anschlüsse mehr verpasse.
Ach ja. Noch dazu spare ich gut 50% der Zeit. Das sind mir etwa 100 EUR im Monat locker wert, die ich drauf zahlen werde.

P.S. Kleiner Hinweis: Wenn man viel Zeit hat und zu Zeiten fahren kann, wo die Züge nicht so verstopft sind, ist Bahnfahren übrigens für mich immer noch ein Vergnügen.

Donnerstag, 9. August 2012

Na ok dann nicht

Da sich in letzter Zeit die Verspätungen und Ausfälle auf meiner Pendelstrecke gehäuft haben, wollte ich eigentlich erst wieder schreiben, wenn es wenigstens einen Tag ohne derartige Probleme gibt.

Leider ist das jetzt seit mehreren Wochen nicht mehr der Fall, so langsam könnte der Eindruck entstehen, ich würde dieses Blog hier aufgeben.


Aber ich muss jetzt mal wirklich Druck ablassen. Was sich die Bahn die letzten Wochen erlaubt, geht wirklich auf keine Kuhhaut mehr:

  • Keinen einzigen Tag beide Fahrten pünktlich. Immer mindestens 10 Minuten - das ist genug, dass ich meinen Anschluss auf der Heimfahrt nicht bekomme und sich die Pendelzeit von 2,5 auf 3 Stunden erhöht.
  • Jeden dritten Tag kaputte Klimaanlage, teilweise bei sehr schwülem und drückendem Wetter. Unfassbar, wie anfällig die Geräte sind. Wieso werden nicht endlich die Wartungsverträge gekündigt und neue Geräte angeschafft?
  • Regelmäßige "Störungen im Betriebsablauf". Jeder Kunde übersetzt sich das, wie er es gebrauchen kann. Durch empirische Studien (Smalltalk) habe ich herausgefunden, dass das wohl für "Unfähigkeit der beteiligten Mitarbeiter zu pünktlichem Verhalten" stehen muss. Ich bin unsicher, in jedem Fall tritt es zu oft auf.
  • Selbstmörder gibt es auch im Sommer und immer noch werden Bahnstrecken bevorzugt. Ich bin dafür, dass man einen Ratgeber herausgibt, wie man sich per Kohlenmonoxid-Vergiftung umbringt. Mal abgesehen davon könnte die Bahn diese Hochgeschwindigkeitsstrecken durchaus mal mit einem vernünftigen Zaun absichern.
  • Zugausfälle (ich kenne jetzt nicht nur Köln/Deutz sondern auch Köln Hbf - hab aber auch nichts verpasst, sieht aus wie fast jeder Bahnhof, dreckig/laut/stinkend) ohne Ende. Sehr lustig vor etwa 2 Wochen, als mein Zug so 80 Minuten Verspätung haben sollte, die Auskunft eines Bahnmitarbeiters: "Fahren Sie lieber mit dem Zug XYZ" - "Der kommt doch fast gleichzeitig mit dem an, auf den ich eigentlich warte" - " Wenn Ihrer überhaupt noch kommt" - äh...?).
  • Eine Mitfahrerin meinte letztens, dass Lokführer der Bahn in der Regel mit dem Auto zur Arbeit kommen, weil sie das Risiko einer Verspätung nicht eingehen wollen. Das hat was, oder?
  • Der vielbeworbene Wifi-Hotspot im ICE funktioniert jede zweite Fahrt nicht, glücklicherweise hält der Akku meines Handies lange genug und der zwischenzeitlich aufgestockte T-Online-Vertrag gibt auch genug Volumen her - verdammt noch mal, es gibt Menschen, die im Zug arbeiten wollen und nicht allen reicht dazu Powerpoint und Fantasie. Ach ja und wenn Wifi mal geht stört es sich ebenfalls an den Tunnels (schon mal von Repeatern oder anderen Maßnahmen gehört? Wir leben im 21. Jahrhundert und schicken Sonden zum Mars - das kann doch wohl nicht wahr sein?!).
  • Ein anderer Mitfahrer meinte letztens, dass es unglaublich sei, wie anfällig die Bahn bei kleinen Störungen von außen ist: "Ein Unternehmen, dass seit 150 Jahren auf dem Markt ist, müsste es doch eigentlich mittlerweile begriffen haben, wie man mit Krisensituationen umgeht." (ich weiß nicht, ob er mit den 150 Jahren Recht hat). Das Krisenmanagement der Bahn ist unter aller Sau: Es gibt haufenweise Krisenmanager (mir sind schon ein paar im Zug selbst als Mitfahrer begegnet) aber offensichtlich denkt niemand daran, dass hinterher ein "lessons learnt"-Workshop stattfinden sollte, um zukünftig dieselben Probleme möglichst auszuschließen.

Wie dem auch sei. Es gibt bestimmt bald wieder was Schönes zu erzählen.


Ein P.S. sei mir erlaubt: Wieso darf ich eigentlich gut 4.000 EUR im Jahr für meine Bahncard zahlen und muss mich dann selbst darum kümmern, dass die Comfort-Sitzplätze auch wirklich nur von Comfort-Kunden bezogen werden? Wieso müsste ich hier ständig die Großfamilie oder die Spielzeugsoldaten wegscheuchen? Kann das nicht einer der Kontrollbeauftragten machen? Es ist ja auch Zeit jeden Fahrgast bei jeder Fahrt bei jedem Wetter bei jedem Klimaanlagestatus mit der (im Grunde berechtigten) Kontrolle seiner Fahrberechtigung zu behelligen? Dabei könnte man doch direkt mal die stehenden Comfort-Kunden einsortieren.

Donnerstag, 28. Juni 2012

Verlängerung, juhu!

Heute hatte ich meine erste morgentliche ordentliche Verspätung. Ein kaputter Zug vor uns hat die Strecke blockiert und so war die zweispurig geführte Strecke nur eingleisig befahrbar. Natürlich mussten auch wir warten, laut Durchsage 20 bis 25 Minuten.

Daraus wurden nur 15 Minuten.

Interessant war die Reaktion des Wagens bzw. dessen Insassen. Einer war tierisch laut am Stöhnen "oh neeeeeeeeeein" (übrigens einer, der völlig entspannt in Frankfurt Hbf ausgestiegen ist... also keinen Flieger verpasst, nech), der Rest eher *Blick nach oben* *aha* *na gut* *weiterlesen*. Das war irgendwie schön, ich war auch gerade in ein Thema vertieft und hab die ungewollte Verlängerung genossen.

Ganz im Gegenteil zur Verlängerung von gestern Abend... oh man... meiner unprofessionellen Meinung nach haben die Spanier unverdient gewonnen.

Mittwoch, 27. Juni 2012

Kopfhörer

Auch wenn alle Welt etwas gegen den Kopfhörer AKG 480 NC zu haben scheint, er funktioniert prächtig.
Im Prinzip ist das ein ganz normaler on-ear-Kopfhörer, d.h. die Muscheln liegen auf dem Ohr auf. Als Besonderheit hat er ein Noise Cancelling genanntes System, dass die Umgebungsgeräusche minimieren soll.

Ich will nicht behaupten, dass ich das, was er macht, "minmieren" nenne würde. Aber das unterschwellige Brummen der Züge ist wie weggezaubert. Das kann man ganz hervorragend am Hbf Frankfurt testen: Da ist ja manchmal ein unglaublicher Lärm von den abheizenden Triebwagen. Halt dieses monotone propellerartige Lüftergeräusch. Das NC macht dieses Rauschen komplett weg.

Die Kopfhörer sind vergleichsweise günstig zu kriegen, so ungefähr 80 bis 90 EUR. Sehr viel bessere Geräte von Bose oder anderen kosten gut und gerne 400 bis 500 EUR.


Ach ja - eine recht wichtige Angelegenheit: Die Kopfhörer sind auch nach außen recht gut isoliert, der Sitznachbar hört nicht mit, wenn man sich lautstärketechnisch im gesunden Bereich bewegt (also nichts für die Generation Hiphop, deren Ohren komplett im Eimer sind).

Fahrzeit-Empfehlung

Heute morgen wurde im Simplify-Newsletter das Thema "Entspanntes Bahnfahren" angerissen.

Einem der dort gegebenen Tipps möchte ich vehement widersprechen. Und zwar wird für Menschen auf der Suche nach Ruhe empfohlen nicht in den Pendelzeiten zu fahren - also nicht vor 9 und nicht zwischen 16 und 19 Uhr.


Meine Erfahrung sagt etwas völlig anderes. Wenn auch Nachmittags die Berufspendler scheinbar alle noch ihre 1.500 Restworte des Tages loswerden oder die wichtigen Handytelefonate im Ruheabteil absolvieren müssen, so ist deren Gegenwart doch erheblich entspannter als schreiende Kinder, verzweifelte Eltern, Nerven verlierende Urlauber, Verspätung (erstaunlicherweise häufiger außerhalb der Pendelzeiten!) und so weiter. Die "Amateuer" außerhalb des Pendelpublikums können mit den Begriffen Ruhebereich, Comfort-Kunden-Sitzplätze und "Erst aussteigen lassen, dann reinquetschen" selten etwas anfangen. Da wird auf Teufel komm raus gemeckert, gejammert, gebrüllt, gesoffen... ich übertreibe nicht.

Und das ist alles im ICE. Also in einem eher etwas teureren Verkehrsmittel.

Also. Mein Simplify-Tipp wäre: Fahrt unbedingt früh morgens zwischen 6 und 8 im Fernverkehr - da schlafen 80% der Pendler und der Rest will Ruhe haben. Das einzige wirkliche Stressige sind die Renn-Olympiaden am Zielbahnhof, gerade in Frankfurt - die Bahnsteige sind zu eng und die Leute sind zu unhöflich. Das ist fast wieder wie Autofahren.

Aber bitte tut das keinesfalls, wenn ihr unerzogene Kinder, redewütige Partner oder eine supertollen Klingelton habt.

Donnerstag, 21. Juni 2012

Wie verkackt man innerhalb von 2 Sekunden?

Wenn du dich schon mal gefragt hast, wie du es innerhalb von 2 Sekunden bei ungefähr 50 Menschen aber sowas von verkacken kannst, hier die Antwort.



Man nehme:
  • eine kaputte EC-Karte
  • kein Bargeld
  • ein Auto
  • einen Platz im Ruhebereich
  • ein Handy
So denn:
  • fahre Auto in Parkhaus
  • benutze EC-Karte mit Zahlterminal, Automat meint EC-Karte kaputt
  • benutze Augen mit Geldbeutel, Geldbeutel enthält: nichts
  • benutze Charme mit Passanten, Passenten flüchten
  • gehe zu Bahnsteig
  • gehe auf reservierten Platz im Ruhebereich
  • warte, bis alle eingeschlafen sind oder lesen
  • benutze Handy mit Ohr

  • BRÜLLE INS TELEFON "JAAAAAAAAAAAHAHAAA HIER XYZ ICH HAB HEUTE MORGEN MEIN AUTO..."

  • Menschenmasse schreckt hoch
  • Menschenmasse schaut böse


Ein Auto, 30.000 EUR, kaputte EC-Karte, 20.00 EUR, Sitzplatz im Ruhebereich, 4 EUR, mit 50 Leuten verkacken - unbezahlbar.

P.S. Das Beste daran war, dass etwa 7 Leute gleichzeitig den Mann angeblöckt haben und er innerhalb von 10 Sekunden seine Stimme von "Marktschreier" auf "Flüstermaus" reduziert hatte. Geht doch ;)

Dienstag, 19. Juni 2012

Schon wieder Dauerverdauerin

Es gibt Menschen, deren Erziehung ist entweder schon sehr lange her oder ist nie wirklich erfolgt.
Anders erklärt sich mir nicht, wieso ich heute schon wieder so eine Wiederkäuer neben mir hatte. Eine Wiederkäuerin, um genau zu sein. Futtert laut schmatzend durchgehend über eine Stunde hinweg ihr Brötchen, danach dann im Sekundentakt ein Schmatzgeräusch und dann ein Bonbon selbstredend immer schön mit offenem Mund an den Zähnen gewendet. KLACK. KLACK. SCHMATZ. KLACK.
Ich mag Menschen.

Gestern auf der Heimfahrt war dann noch die Rauch-Lacherin. Also dieses durchgehend röchelnde Lachen, dass einen überlegen lässt, ob man schnell hinläuft für Erstehilfemaßnahmen oder ob man den finalen Rettungsschuss ansetzen möchte.
Kennt jeder (ehemalige) Raucher aus eigener Erfahrung: Man rennt sportlich ambitioniert die Treppe hoch, kommt oben an und die Lunge sagt "guten Morgen" - und fällt einem vor Zuneigung fast aus dem Hals.
Übel ist aber, wenn man nicht mal mehr richtig störungsfrei lachen kann. Und telefoniert hat die Olle auch noch - bis ein Mitfahrer sich mal couragiert beschwert hat.

Ich mag Menschen.

Vor ein paar Tagen steige ich in die S-Bahn für den Schlussakt nach Hause. Ich schaue in den Wagen und sehe das Grauen: Vier junge Mädels in einer Vierergruppe. Ich denke noch "soll ich doch lieber nach vorne und stehen" - aber die Faulheit ist stärker, ich setze mich mir Ohrstöpseln hin.
Und dann nonstop Geschnatter, Rumgeschreie, Balzverhalten (ja - Mädels mit 13/14 sind erheblich schlimmer/lauter als balzende Kerle)... Ohrstöpsel mehrfach kontrolliert - ne die waren schon drin, haben nur nicht geholfen. Und wenn man dann mal was sagen würde, wäre man dann Feindbild Nummer Eins sowohl für die jungen Mädels als auch für die 15 Frauenversteher, 7 Emanzen und 3 Omas mit Selektivtaubheit. Die restlichen 50 regt das auch auf, aber keiner darf sich vor lauter politisch korrektem Stock im Ar... regen.

Ich mag Menschen.

Ja wirklich.

Dienstag, 12. Juni 2012

Subtropisches Erstickungsklima

In den letzten Tagen ist mir das bei der Hälfte meiner Fahrten aufgefallen.

Die Bahn spart wirklich.

Und zwar an der Klimaanlage. Ich versuche ja schon sinnvolle Erklärungen zu finden, wieso die Temperaturen an diesen Tagen bei gefühlten 35 Grad lag. Vermutlich viele Frauen im Zug, die ja bekanntlich bei jeder Temperatur frieren (und tatsächlich gab es Exemplare, die immer noch eine Jacke übergezogen haben...). Oder aber die Zugbegleiterin hatte einen miesen Tag und wollte mal ne Runde Befördungsfälle quälen, schwer zu sagen.


Auffällig ist aber, dass dann nicht nur die Temperaturen erheblich über mein Wohlfühlniveau steigen. Sondern auch die Luftfeuchtigkeit.

Vor vielen Jahren war ich in Australien und dort im subtropischen Gürtel. Der Ausstieg aus dem klimatisierten Wohnmobil war wie das Laufen gegen eine unsichtbare Wand: Innerhalb von Sekunden durchnässt, man suchte panisch nach dem Temperaturregler. Aber es war auszuhalten, weil ein laues Lüftchen geweht hat.

Leider aber hat der supermoderne ICE dieses Feature nicht mehr. Wenn die Klimaanlage keine Lust hat oder von einem Hansel/einer Hänselin auf "Treibhaus" gestellt wurde, bleibt die Luft einfach stehen und es tut sich absolut nichts.

Wenn dann im sportlichen Schritt jemand den Gang entlang hechtet, ist das in diesem Moment eine wohltuende Erfrischung, weil sich immerhin ein bisschen Luft bewegt.

Aber wundert es einen, dass Bahnfahrer ständig nen Schnupfen haben, wenn man von subtropischen Innenbeheizungen auf den gefrierkaltzugigen Bahnsteig stapfen muss? Diese ständigen Wetterwechsel können der Gesundheit einfach nicht zuträglich sein.

Was mich dann zum nächsten Theman bringt. Wieso ist die Bahn eigentlich in so einem Fall nicht schadensersatzpflichtig? Ich rede hier nicht von T-Shirts, die man schweißdurchtränkt den ganzen Tag im Büro tragen "darf" oder von literweise Getränken, die man sauteuer irgendwo erstehen muss. Ich rede hier davon, dass diese Krankheiten sowohl Unternehmen als auch Selbständigen richtig viel Geld kosten können...

Ja ich höre schon das Gejammer der Im-Sommer-Heizer und Mir-zieht-es-aber-im-Rücken-Memmen. Ihr findet 35 Grad und 98% Luftfeuchtigkeit "nen bisschen klamm". Wisst ihr was - Afrika ist groß und leer, viel Spaß ;)

P.S. Falls es wieder mal auftritt, hier ein paar Hinweise was getan werden kann/darf.

Freitag, 25. Mai 2012

Damit das nicht falsch im Raum steht

Falls die letzten Tage die Mecker-Postings etwas überhand gewonnen haben, so muss ich dazu eines sagen.

Stimmt.

Das liegt eben in meiner Natur. Ich finde vieles an unserer Gesellschaft total daneben und muss mir eben immer wieder mal Luft machen. Klar könnte ich mir auch die recht verbreitete Einstellung "mir-doch-egal" zulegen - aber das will ich nicht.

Jetzt wird es etwas tiefenpsychologisch, aber bitte nicht wegschalten. Die "mir-doch-egal"-Einstellung wird von manchen unseriösen Therapeuten empfohlen, weil es den eigenen Stresspegel senken würde. Wenn einem die Dinge ernsthaft nicht interessieren, besteht für die Psyche ja kein Grund sich damit zu beschäftigen oder sogar - Gott bewahre - Stress zu empfinden. Wir haben doch schon genug Stresspegel durch Autofahren, Einkaufen oder durch die Olle mit Schuhtick.

Anderer Therapeuten raten dazu man solle sich den Frust unmittelbar von der Seele reden und ihn damit unschädlich machen. Das praktizieren wir alle, wenn wir mit dem 4-Rad unterwegs sind. Man sieht selten so viele meckernde Monologisten auf einmal, wenn man im Stau steht.

Beides funktioniert irgendwie nicht. Ersteres zerstört durch Teilnahmslosigkeit die Gesellschaft, die darauf angewiesen ist, dass wir uns in gewisser alle miteinander abfinden/beschäftigen. Das zweitere führt nur zu merkwürdigen Vorhaltungen, wenn man das außerhalb des Stahlcontainers probiert - wer kennt nicht mindestens ein Exemplar Mensch, dass durch laut vor sich hin fluchende Merkwürdigkeiten aufgefallen ist.

Deshalb schreibe ich darüber. Ich möchte nicht den ganzen Tag schlechte Laune haben und Ignorant gegenüber anderen möchte ich auch nicht sein. Selbst wenn die Themen ein bisschen redundant sein sollten, liegt das eben in der Natur der Dinge. Gewisse Zustände sind eben jeden Tag nervig und ich nehme mir dann die Freiheit die so oft ich das möchte anzusprechen.

Trotzdem liebe ich das Bahnfahren immer noch.

Ich habe jetzt ingesamt über 2.000 Buchseiten gelesen, etliche Tageszeitungen durchgearbeitet und viele lustige und interessante Begegnungen gehabt. Klar wurde ich auch in meinem Vorurteilen gegenüber bestimmten Stereotypen bestätigt - aber das war doch eigentlich klar :)

Donnerstag, 3. Mai 2012

Alte Menschen

Momentan scheine ich das echt gepachtet zu haben.

Aber das stört mich absolut überhaupt nicht.

Alte Menschen kontaktieren mich. Ich gehöre zwar definitiv und ohne falsche Bescheidenheit nicht zur Generation 60+ (eher so 30+), aber scheinbar spricht mein Äußeres für eine gewisse Affinität zu Seriösem (Hemd aus der Hose, Jeans, Tattoos... aber mega-businessmäßiger Trolley, der wird es sein).

Heute wieder. Ob es denn wohl der Wagen N sei, spricht mich eine nette ältere Dame an.

Ich "ehrlich gesagt weiß ich das nicht, das Schild am Wagen hat kein Licht, aber er müsste es sein - ich will jedenfalls auch in den Wagen N".

Eine weitere Passantin klingt sich in das Gespräch mit dem konstruktiven Beitrag "Ist das der Wagen N?" - ich wiederhole meine Bandansage lächelnd. Wir beschließen gemeinsam zu Dritt, dass wir im Zweifel eben gemeinsam quer durch die 800 Meter Zug latschen müssen, wenn wir uns irren.

Die ältere Dame lasse ich natürlich vor mir einsteigen, nachdem die Wichtigsten bereits im Zug verschwunden sind.

Sie versucht verzweifelt ihren Koffer irgendwie neben sich hoch zu wuchten. Kurzerhand packt einer (ich) mit an und hebt das in der Tat recht schwere Gerät nach oben.

Oben wieder "woher wissen wir denn jetzt, ob das der richtige Wagen ist" - "auch hier drin sind die Lichter aus, ich schlage vor wir brüllen mal rum, ob das Wagen N is..." - wird werden unterbrochen von Person 4: "Jap, das ist der Wagen N".

Prima. Also suchen wir alle unsere Plätze. Wie es der Zufall so will kommt die Dame hinter mir zum Sitzen. Jedenfalls versucht sie es und schaut völlig verzweifelt auf ihren Koffer und den engen Gang und den minimalistisch ausgeprägten Platz vor ihrem Sitzplatz.

"Soll ich den Koffer mal nach oben hieven?"

"Der ist aber wirklich schwer"

"Kein Ding, ich habe eigentlich eine grüne Hautfarbe, bin ein wenig dämlich und reiß mir gerne die Klamotten vom Astralkörper"

"Ich probiere es mal"

Ok - wir sind glücklich und zufrieden. Ich muss mir jetzt meine Bandscheiben wieder in den Rücken drücken, aber das geht schon bei der bequemen Bestuhlung im ICE.

Alte Schule

Heute morgen haben mich wieder zwei ältere Menschen sehr beeindruckt.

Die beiden stiegen in Frankfurt Flughafen in "meinen" ICE zu. Vom Alter her würde ich sagen mindestens 70, eher noch älter. Beide sehr hochwertig gekleidet, sie in einer Art Kostüm, er mit Mütze und sportlichem Anzug.


Die Frau konnte noch recht gut gehen - er war offensichtlich sehr beeinträchtigt. Sie hat dafür keine guten Augen mehr, musste an jedes Schild mit den Sitzplatzreservierungen sehr nah heran. Er versuchte irgendwie hinter ihr her zu kommen, musste sich dabei an jedem Stuhl anlehnen und hatte sichtlich Mühe.

Schließlich hat sie die Sitzplätze gefunden. Beinahe in Zeitlupe nahm der Mann seine Mütze ab und überreicht diese seiner Frau. Sie wiederum schüttelt die Mütze kurz aus und legt sie ins vorsichtig ins Gepäcknetz.

Dann versucht er sich seinen Mantel auszuziehen, sie hilft ihm wie selbstverständlich. Dann nimmt sie die Mütze wieder aus dem Gepäcknetz und legt den Mantel zusammen und die Mütze obenauf. Beides dann wieder ins Gepäcknetz.

Jetzt zieht sie sich ihren Mantel aus. Er versucht ihr irgendwie zu helfen, kommt aber wegen seiner Beeinträchtigung kaum an sie heran. Sein Blick spricht Bände, er fühlte sich unwohl dabei, dass er seiner "Gentleman-Pflicht" nicht genüge tun konnte.

Alles lief in einer großen Ruhe und Gelassenheit ab. Er brauchte zum Hinsetzen noch eine größere Weile, weil er sich sehr mühsam in den doch recht engen Sitzplatz hineinmanövrieren musste.

Während dieser Zeit wurde praktisch kein Wort gesprochen, kein Meckern, keinerlei Aufforderung, keine Hektik.

Es ist schwer zu sagen, wieso mich solche Art Szenen immer irgendwie in Staunen versetzen. Vermutlich liegt es daran, dass ich in einer Generation groß geworden ist, wo man anderen nicht mehr aus dem Mantel hilft und so etwas wie "sehen, wenn, wann und wie der andere Hilfe braucht" eine Tugend ist, die nicht mehr sehr verbreitet ist. Solche Paare erinnern mich immer wieder daran, wie das Zwischenmenschliche eigentlich sein sollte.

Samstag, 28. April 2012

Zufallsbegegnungen

Gestern war ja bekanntlich Freitag und Freitags gleicht die Heimfahrt normalerweise einer Reise nach Jerusalem - alle kloppen sich (teilweise sogar wörtlich genommen) um die Sitzplätze.

Ein paar wenige, die das Theater kennen und darauf keine große Lust haben, investieren bis zu 4 EUR für eine Sitzplatzreservierung. So auch ein älteres Paar, dass die beiden Fensterplätze an unserem Vierertisch reserviert hatte.


Die beiden waren auf dem Weg nach Köln, weil nur von dort aus ein Flug nach London Stansted abhebt - ja, der Frankfurter Flughafen fliegt diesen Flughafen nicht an. Sie wollen ihre Tochter in Cambridge besuchen, die dort in einem Häuschen mit Blick auf die Cam zusammen mit ihrem Mann wohnt. Die Tochter hat vor drei Monaten ein Kind geboren und das Paar fährt die kleine Familie in Großbritannien über den Maifeiertag hinweg besuchen.

Der Dekan der Universität bei der die Tochter arbeitet war so pragmatisch und hat, als er erfahren hat, dass sie schwanger ist, kurzerhand für sie 3 Forschungssemester vorgezogen, die ihr sowieso irgendwann zugestanden hätten. So konnte sie 18 Monate lang von zu Hause aus forschen und gleichzeitig Mutter sein. Sie könne ja später die Zeit wieder nacharbeiten, wenn sie das denn möchte.

Ihre älteste Tochter ist Anwältin und extrem unzufrieden mit ihrem Arbeitgeber. Auch sie bekam vor wenigen Jahren ihr erstes Kind und wollte ein paar Stunden reduzieren. Ihr Arbeitgeber bot ihr großzügig eine 3/4tel-Stelle an. Selbstredend nur auf die Bezahlung bezogen, denn vor 20 oder 21 Uhr Abends konnte sie nicht Feierabend machen. Ihr Mann konnte glücklicherweise Erziehungsurlaub machen.


Warum ich das alles erzähle? Die beiden haben mich schwer beeindruckt. Er war ein sehr ruhiger Mann, der intelligent-witzig erzählen konnte. Wir haben uns über die Almende in England unterhalten und über die zukünftige Entwicklung des Schienenverkehrs zwischen Frankfurt und London (es ist eine Direktverbindung geplant ohne 2-Stunden-Aufenthalt in Brüssel). Sie war ein wenig aufgebracht, weil die Klimaanlage im Zug nicht gut funktionierte und wir geschwitzt haben wie sonst was. Die beiden haben sich auf ihre Art wunderbar ergänzt.

Wir haben über eine Stunde miteinander unsere Gedanken ausgetauscht und eine so schöne Art von Smalltalk gehalten, die man heute nur noch sehr selten erfährt. Kein Zynismus, kein Sarkasmus, keine blöden Sprüche, keine Witzeleien (obwohl das Gespräch sehr humorvoll geführt wurde) - einfach großartig.

Diese Begegnung hat mich tief berührt weil ich immer wieder erstaunt darüber bin, welche zwischenmenschliche Schätze da draußen auf uns warten und wir nur mit offenem Verstand und Wesen die Menschen für einen Moment an uns heranlassen müssen. Hätte ich beim Einsteigen die beiden nicht begrüßt, hätte der Mann mich nicht eine Belanglosigkeit gefragt - wir wären vielleicht nicht ins Gespräch gekommen und ich hätte stattdessen gelesen.

Aber da wäre mir eine so tolle Begegnung entgangen. Ich finde es ausgesprochen schade, dass ich die beiden wohl nie wieder sehen werde.

Freitag, 27. April 2012

Selbstmordsmalltalk

Gerade aufgeschnappt.

"Wenn ich mich schon umbringen würde, dann auf der Strecke nach Köln wo die so richtig schnell fahren".

Gemeint waren damit die ICEs aus Süden in Richtung Köln, die auf der Strecke in der Tat über 300km/h erreichen.

Mal ganz abgesehen davon, dass ich das als Smalltalkthema recht makaber finde, so sollte derjenige doch bitte Rücksicht nehmen.

Schmeißt der sich genau da ins Unglück muss ich auch drunter leiden, weil mein Zug dann garantiert warten muss, bis die Schweinerei aufgewischt wurde.

Rücksichtlose Menschen aber auch.

Donnerstag, 26. April 2012

Zugreihenfolge mal anders

Heute für mich ein Novum.

Die Wagen des Zuges wurden nicht komplett umgestellt sondern nur die eines der beiden zusammengekoppelten Züge. Also sind wir doch wieder gerannt. Seltsamerweise tritt das gehäuft bei meinem Zug auf und verursacht immer ein wenig Chaos.


Ich glaube ja da mag jemand Düsseldorfer nicht.

Verzockt

Ich hatte ja erwähnt, dass die Zugreihenfolge "ab und zu mal" vom Plan abweicht.



Also habe ich mich gestern entschieden auch unter die Zocker zu gehen. Habe mich also dahin gestellt, wo mein Wagen stehen müsste, wenn er wieder mal außer der geplanten Reihe eintrudelt.

Ich stehe also da und dann fährt der Zug vor meinem Zug ein.

Ok... lange Minuten vergehen, eigentlich müsste so langsam mal der Zug wieder abfahren, schließlich möchte doch meiner Einfahren.

Dann eine Durchsage, dass der gerade stehende Zug technische Probleme bei der Abfahrt hat und folglich verspätet losfahren wird.

Mein Zug ist noch nicht da.

Dann die nächste Durchsage... mein Zug fährt heute von einem anderen Gleis ab, weil das geplante Gleis offensichtlich nicht frei ist.

Also nix wie rüber aufs andere Gleis - den Weg zu finden war einfach, die Masse hat mich mitgezogen.

Und die Zugreihenfolge stimmte dann ausnahmsweise mal.

Egal was ich mache. Ich werde nie erfolgreich im Glückspiel sein.

Samstag, 21. April 2012

Apokalyptikerin

Vor ein paar Tagen auf der Heimfahrt von Frankfurt nach Düsseldorf.

Durchsage im Zug: "Aufgrund von Personen im Gleis wird sich die Abfahrt unseres Zuges um wenige Minuten verzögern".

Mein Sitzgegenüber, eine Frau im mittleren Alter, meint dazu lautstark-meckernd: "Schon wieder, das kann jetzt gut über eine Stunde dauern" und lehnt sich demonstrativ mit verschränkten Armen zurück.

Die Apokalyptikerin ist unter uns!



Mein Sitznachbar - eine Bahnlaie - wird nervös und beginnt in sein Handy zu hämmern.

Ansonsten eine recht entspannte Runde, kaum jemand meckern, man sitzt einfach weiter in sein Buch vertieft im diesmal auch berechtigterweise so benannten Ruhebereich.

Ich denk mir noch so "ach was, maximal 10min".

Und schon rollt die Kiste wieder. Die Apokalyptikerin ist scheinbar trotzdem noch recht säuerlich, Arme immer noch verschränkt und ein Gesichtsausdruck zum Reinschl... äh... Mitleidkriegen.

Was lernen wir daraus? Wir machen uns selbst das Leben nur mies, wenn wir ständig nur vom Schlimmsten ausgehen. Und Menschen wie die Apokalyptikerin möchte ich ungerne häufiger in meinem Umfeld haben.

Übrigens, zur Info: "Personen im Gleis" sind meistens Genies, die mal eben noch über Gleise hüpfen, wenn sie es eilig haben (und dann oft genug vom nächsten Zug zerlegt werden... die Sauerei aufzuwischen dauert eben...) oder Kinder, die im Gleis spielen (und dann oft genug vom nächsten Zug[...] - liebe Eltern, wo bleibt die Erziehung!!!11eins). Die Bahn oder die Zugbegleiter oder der Lokführer können da absolut gar nichts dafür.

Montag, 16. April 2012

Ruhebereich

Wie ihr vielleicht schon wisst, gibt es zumindest bei den ICEs verschiedene Bereiche im Zug.

Beispielsweise für die Großraumwagen. So ähnlich wie ein Großraumbüro eben - viele Menschen in einer möglichst intelligenten Anordnung so zusammenpferchen, dass maximale Auslastung möglich ist. Im Gegensatz zum Flugzeug haut man sich übrigens als Normalgewachsener nicht ständig die Knie an.

Die Großraumwagen gibt es in zwei Varianten. Einmal die normale Variante. Hier kann man sich ganz normal unterhalten, Familien mit Kindern sind willkommen und nervöse Urlauber sind hier gut aufgehoben. Immerhin weiß jeder, der sich in diesen Wagen begibt, dass er oder sie an Ruhe gar nicht erst zu denken braucht. Die superwichtigen Business-Typen, Sales-Bitches und andere Machermenschen mit Telefonflat am Ohr und fehlender Kinderstube sind hier ebenfalls sehr willkommen.


Und dann gibt es die Zen-Zone. Den Ruhebereich. Also der Wagen, der für die Menschen gedacht ist, die die sanfte Fahrt im Tiefschlaf verbringen wollen. Oder die einfach in Ruhe mal so lesen möchten, dass sie nicht jeden Satz zweimal beginnen müssen (ja es gibt Sätze mit mehr als 160 Zeichen). Gelegentlich sind hier auch ein paar Langsamtipper und Hobbyfotografen unterwegs. Im Großen und Ganzen also eine Gruppe von Menschen, die weder in Partylaune noch ständig im Stress sind. Die Normalen halt.

Die Ruhebereiche sind auch deutlich gekennzeichnet: Ein durchgestrichenes Mobiltelefon und ein Finger vor dem Mund mit "Psst" daneben. Man möchte also sagen, dass der Durchschnittsbegabte - also der, der auch den richtigen Wagen am Bahnhof finden kann - diese Zeichen verstehen müsste: Telefon lautlos und Gespräche mit mehr oder weniger gesittetem Tonfall.

Leider greift in letzter Zeit aber eine große Seuche um sich. Nämlich die Seuche der Abwanderung von "Normalbereich" in "Zen-Bereich". Scheinbar haben alle Schwätzer dieser Welt genau ein Ziel: Den Ruhewagen. Selbstverständlich mit Handy, auf Lärm optimierte Laptop-Tastaturen und selbstgefälligem Gelaber oder Gockelverhalten gegenüber jungen Assistentinnen.

Ok, jeder macht Fehler. Jeder übersieht mal etwas. Deshalb können die Krachmacher ja auch freundlich auf ihren Fehler hingewiesen werden. In einer normalen Welt würde der Krachmacher sich umgehend entschuldigen, sein Tun einstellen und in Zukunft etwas rücksichtsvoller sein. In der deutschen Welt aber läuft das anders: Der Hinweisgeber wird zusammengeschissen, ignoriert oder als Witzfigur dargestellt. Das Wort "Entschuldigung" ist im Sprachgebrauch der meisten Menschen - gerade der Business-"Elite" - schlichtweg gestrichen worden. Es ist eben genau das passiert, was mit der Höflichkeit, Rücksichtnahme und Sozialverhalten ebenfalls schon passiert ist.

Und das sind dann auch gleich die Menschen, die sich bei einer angekündigten Verspätung von 3min in die Hose machen und allesamt deshalb angeblich einen superwichtigen Geschäftstermin verpassen würden. Von Zeitplanung und Pufferzeiten haben diese Jungs und Mädels noch nie was gehört.

Übrigens wurden die 3min dann während der Fahrt wieder aufgeholt. Aber statt dem zuvor belästigten Zugbegleitern jetzt auch mal die passende Entschuldigung für das Fehlerverhalten zukommen zu lassen, wird einfach fleißig weitergemeckert.