Donnerstag, 3. Mai 2012

Verspätung mit Olympiaspurt

Heimfahrt von Frankfurt nach Düsseldorf, kurz nach Köln.

Wir werden immer langsamer und stehen schlussendlich am äh "schönen" Bahnhof Leverkusen.


Durchsage aus dem Off: "Aufgrund von Personen auf dem Gleis[...]In 10 Minuten geht es weiter".

Ok. Eigentlich keine große Sache. Wenn mein Anschlusszug nicht ungefähr 10 Minuten nach planmäßigen Eintreffen abfährt. Und dieser fährt 5 Gleise weiter ab. Ich rechne also damit, dass ich auf den nächsten Bimmelzug warten muss (etwa 25 Minuten).

Wir fahren in Düsseldorf ein und laut meiner Handyuhr sind noch gut und gerne 2 Minuten bis mein Anschluss abfährt. Ich bereite mich innerlich also auf einen grandiosen Olympiaspurt vor (bei einem negativen Körper-Leistungs-Index schwierig; anders ausgedrückt: Zu dick, zu wenig Sport).

Pumpe fährt schon mal auf 150 Schläge pro Minute. Atmung wird hechelnd.


Die Anspannung wächst, der Zug wird langsamer.

Schweißausbrüche kündigen den bevorstehenden Gewaltakt an.

Tür geht auf, nachdem der grüne Öffnenknopf von mir beinahe durch die Verkleidung gedrückt wurde.

Trolley in den Arm. Raus auf den Bahnsteig, Treppe selbstmörderisch halbspringend runter.

Mit starrem Voldemort-Blick die entgegegenströmenden anderen Reisenden beiseite fluchend zum Bahnsteig gefühlte 500m weiter.

Treppe mit jeweils zwei Stufen auf einmal nach oben.

Bis ungefähr zur 6. Stufe.

Da möchte mein Körper doch mal wieder Sauerstoff bekommen und ich verfalle in einen erstickungstot-ähnlichen Hechelzustand. Bäche von Schweiß fluten meine Hautoberfläche, rote Farbe wird kiloweise in meine Haut gepumpt.

Die letzten gefühlten 2.372 Stufen hoch zu meinem Gleis muss ich noch irgendwie hinkriegen. Mein Trolley ist definitiv zu voll, morgen lasse ich meine ganze Bibliothek zuhause.

"Eine Stufe auf einmal, das geht irgendwie" - selbstmotivierende Mantras helfen wenig, meine Muskulatur beschwert sich nach 15 Sekunden Belastung ob der völlig ungewohnten Bewegungsfrequenz.

Noch wenige Meter rauf auf den Bahnsteig. Keine Ahnung woher mein Körper gerade versorgt wird, aber durch den Mund kommt offenbar nicht genug Sauerstoff, ich kriege schon Flimmern vor den Augen.

Endlich oben. Blick auf die Anzeige.

"VERDAMMT NOCH MAL" rutscht es mir raus.

Der Anschluss hat +5 Minuten.

Kommentare:

  1. Kein Bahnfahrer6. Mai 2012 um 18:27

    Irgendwie habe ich grade so ein Gefühl von Schadenfreude. Ich finde dein Blog ist sehr lustig zu lesen. Immer wieder nette Stories :-)

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  2. Am Wochenende auf Deinen Block gestoßen, kann ich nicht mehr davon ab lassen. Ich schmeiß mich weg ob Deiner genauen Beobachtungen und humorvollem Zupapierbringen. Wie kann man den Zustand unserer Gesellschaft (in Deinem Fall die der Bahnreisenden) so treffend analysieren und dabei seinen Humor behalten. Mach weiter so! Wenn nicht als Bahnreisender, dann eben als Wasweißich!

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